Die Arbeitgeber der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und des Netzwerks „ZukunftPflege NRW“ kritisieren den Entwurf der neuen WTG-Durchführungsverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen scharf. Obwohl das Vorhaben als Beitrag zur Verwaltungsvereinfachung angekündigt wurde, erwarten die Einrichtungen in der Praxis kaum Entlastung.
Aus Sicht der Arbeitgeber wird Bürokratie nicht abgebaut, sondern lediglich verlagert. Neue Melde-, Dokumentations- und Berichtspflichten könnten den Verwaltungsaufwand sogar weiter erhöhen. Auch die verpflichtende Nutzung digitaler Meldeplattformen werde als Vereinfachung dargestellt, führe jedoch in der Praxis zu zusätzlichen Aufgaben für die Einrichtungen.
Besonders kritisch sehen die Verbände den starken Fokus auf Kontrolle und Gefahrenabwehr. Neue Meldepflichten und zusätzliche Aufsichtsinstrumente würden ein Klima des Misstrauens gegenüber Pflegeeinrichtungen und ihren Mitarbeitenden verstärken.
„Heute werden Einrichtungen von bis zu 18 verschiedenen Behörden im Jahr geprüft – mehr als früher jedes Atomkraftwerk – und statt diese Verfahren zu bündeln, kommen immer neue Berichtspflichten hinzu“, kritisiert Christian Schultz, Geschäftsführer der Diakonie Stiftung Salem und Sprecher von „ZukunftPflege NRW“.
Zugleich bemängeln die Arbeitgeber, dass der Entwurf zentrale Herausforderungen der Pflege – insbesondere den Fachkräftemangel, steigende Kosten sowie den Bedarf an bezahlbarem und barrierefreiem Wohnen – kaum adressiere. Auch eine langfristige Strategie für Digitalisierung und die Weiterentwicklung der Pflegeinfrastruktur fehle.
Das Fazit der Pflege-Arbeitgeber fällt deutlich aus: Nordrhein-Westfalen brauche weniger Bürokratie, mehr Vertrauen in die professionelle Pflege und eine klare Strategie für Wohnen, Pflege und Digitalisierung. Der aktuelle Entwurf lasse diese Perspektive vermissen.
Mitteilung im Original als Pdf durchlesen:
Stellungnahme WTG Reformentwurf